Noch in diesem Jahr soll in Deutschland der Energiepass zur Pflicht werden. Während bei Elektrogeräten und Kraftfahrzeugen ein Energielabel mit verlässlichen Angaben zum Verbrauch längst Standard ist, ist der Energiebedarf von Gebäuden noch eine weitgehend unbekannte Größe. Doch das soll sich bald ändern.
Energiepass - Die aktuelle Situation
Nach der „EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ hätte der Energiepass bereits im Januar 2006 eingeführt werden sollen. Bevor jedoch in Deutschland der Energie-Ausweis für Häuser und Wohnungen verpflichtend wird, müssen die Vorgaben der Europäischen Union von der Bundesregierung in nationales Recht umgesetzt werden. 2005 wurde deshalb bereits ein neues Energieeinsparungsgesetz verabschiedet, Details für den Energiepass müssen noch in der neuen Energieeinsparverordnung festgelegt werden. Erst dann wird der Gebäudepass zur Pflicht für Eigentümer von Wohn- und gewerblichen Immobilien.
Energiepass - Was soll er bringen?
Nach EU-Vorgaben muss der Energiepass die Gesamteffizienz von Gebäuden anzeigen, Vergleichswerte enthalten und Tipps zur Modernisierung geben. Zwar werden Darstellungsform und Inhalte noch festgelegt, klar ist jedoch, dass die zentrale Information, nämlich die Energieeffizienz der Immobilie, in einem bundesweit einheitlichen Label allgemeinverständlich dargestellt werden soll.
Energiepass - Feldversuch
In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat die Deutsche Energie-Agentur GmbH einen freiwilligen Energiepass entwickelt, der 2003 und 2004 in einem Feldversuch getestet wurde. Dabei erzielte der Gebäudepass eine hohe Marktakzeptanz: 80 Prozent der Selbstnutzer und privaten Vermieter würden den Energiepass empfehlen.
Energiepass - Vorteile
Nach Inkraftsetzen der neuen Energieeinsparverordnung haben Mieter und Käufer vor Vertragsabschluss das Recht den Energiepass der entsprechenden Immobilie einzusehen. Rechtsansprüche lassen sich jedoch nicht ableiten, die Einsichtnahme dient als Entscheidungshilfe vor Kauf oder Miete eines Gebäudes und ermöglicht einen schnellen Vergleich zwischen mehreren Objekten.
Vorteile werden auch Verkäufer oder Vermieter von Wohnungen und Gewerberäumen mit positiver Energiebilanz genießen: Sie sichern sich einen Vorsprung am Markt, da Energieeffizienz in Zeiten steigender Betriebskosten zunehmend an Attraktivität gewinnt.
Energiepass - Aussteller
Der Energiepass, der zehn Jahre gültig sein soll, darf ausschließlich von zertifizierten Ausstellern, in der Regel Architekten, Energieberater, Ingenieure und Handwerksbetriebe, ausgestellt werden. Die Kosten für ein „Kurzverfahren“, d.h. eine Hausbegehung mit Beurteilung der Bauteil- und Anlagetypen, liegen im Schnitt bei ca. 300 Euro, eine umfangreichere "Vor-Ort-Begehung" kostet zwischen 500 und 700 Euro pro Immobilie, wird jedoch staatlich bezuschusst.